Institut für Ökologie und Aktions-Ethnologie
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AG Wasser

Die Erde – unser blauer Planet

Wasser ist Leben. Als Trinkwasser für Mensch und Tier, aber auch zur Lebensmittelgewinnung z.B. durch landwirtschaftliche Bewässerung.

Rund zwei Drittel der Erde sind von Wasser bedeckt, doch nur 2.6% sind Süsswasser. Diese Süsswasservorkommen sind aber zunehmend von Verschmutzung und Übernutzung bedroht: Verschmutzung des Wassers durch Chemikalien, Öl oder Radioaktivität, Austrocknen von Quellen durch Abholzung und das Sinken des Grundwassespiegels durch Übernutzung führen dazu, dass sauberes Wasser immer knapper wird. (Weitere Problemfelder sind die Manipulation von Wasserläufen, die Erbauung von riesigen Staudämmen zur Energiegewinnung und zu Bewässerungszwecken, die Ausdehnung von ariden Gebieten oder die Trockenlegung von Feuchtgebieten.)

Gleichzeitig steigt der Verbrauch von Süsswasser kontinuierlich an. Gründe sind das starke Be-völkerungswachstum, Migration in grosse urbane Ballungszentren und der Einsatz wasserintensiver Technologie in der Landwirtschaft (70% des Wasserverbrauchs geht in die Landwirtschaft).

Experten warnen, dass bereits im Jahr 2025 rund ein Drittel der Menschen unter Wassermangel leiden werden, und dass es in den nächsten Jahrzehnten vermehrt zu Konflikten um Wasser kommen wird

Bereits heute hat ein Fünftel der Weltbevölkerung (ca. 1.4 Mia. Menschen) nicht genügend und vor allem nicht genügend sauberes Trinkwasser, weltweit sterben jährlich über 2.2 Mio. Menschen an den Folgen verschmutzten Wassers, und 80% aller Krankheiten in Entwicklungländern sind auf die Nutzung von verschmutzten Wassers zurückzuführen.

Trotz dieser alarmierenden Zahlen werden in Industrieländern weiterhin gedankenlos Swimmingpools gefüllt, Golfanlagen bewässert und Toiletten mit Trinkwasser gespült. Während ein Mensch in den USA durchschnittlich 600 Liter Wasser täglich verbraucht, müssen Menschen in Enwicklungsländern mit weniger als 40 Litern pro Kopf auskommen.

Bisher sind es vor allem Menschen im Süden, welche die Auswirkung der zunehmenden Verknappung von sauberem Wasser zu spüren bekommen.

Zugang zu sauberem Wasser hängt nicht in erster Linie von der technologischen und wirtschaftlichen Entwicklung ab, sondern ist vor allem eine Frage der sinnvollen Nutzung und gerechten Verteilung.

Wasser ist ein gemeinsames Gut aller Menschen, das geschützt und nachhaltig genutzt werden sollte. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser sollte ein allgemeines Menschenrecht werden.
http://www.menschen-recht-wasser.de/menschenrecht-wasser/vereinte-nationen.php

In der UN-Menschenrechts-Deklaration sind nur das Recht auf Leben (Artikel 3) und das “Recht auf einen angemessenen Lebensstandard, um Gesundheit und Wohlbefinden zu ermöglichen” (Artikel 25), worin u.a. Ernährung genannt wird, festgehalten. Erst im November 2002 verfasste der UN Wirtschafts- und Sozialrat den “Allgemeinen Kommentar Nr. 15″ zum Recht auf Wasser.


Indigene und Wasser

Indigene Völker gehören oft zu den ärmsten und marginalisiertesten Bevölkerungsgruppen eines Landes. Sie besitzen nur eine sehr kleine Entscheidungsgewalt und geringe Einflussmöglichkeiten. Dadurch leiden sie häufiger unter einem Mangel an sauberem Trinkwasser und sind oftmals besonders stark von Krankheiten betroffen, die durch den Gebrauch von verschmutztem Wasser auftreten. Die Arsenvergiftung Hunderttausender von Menschen in Bangladesh (siehe auch Tages-Anzeiger vom Di, 8. Juli 2003) oder die Choleraerkrankungen in armen Gebieten in Südafrika sind nur zwei Beispiele.

Viele von indigenen Völkern bewohnte Gebiete, meist abgelegene ländliche Regionen, sind betroffen von der Verschmutzung durch die Ölförderung [ Erdölstudie ] oder den Bergbau. Was sich wiederum auch direkt auf die Qualität ihres Trinkwassers auswirken kann (siehe Artikel zum Bergbau).

Die Errichtung von Stauseen zur Energiegewinnung führt oftmals zur (Zwangs-)Umsiedlung, gerade auch von indigenen Menschen, da ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete überflutet werden. Der aktuellste Fall ist der Dreischluchten-Staudamm in China (siehe Artikel).

Viele indigene Gemeinschaften sind nach wie vor abhängig von traditionellen Wirtschaftszweigen wie der Fischerei oder der Bewässerungslandwirtschaft. Die Verschmutzung von Flüssen und Seen oder die Übernutzung der Grundwasservorkommen führen dazu, dass sie in ihrer wirtschaftlichen, oft subsistenzproduzierenden, Tätigkeiten stark eingeschränkt werden und sich ihre finanzielle Situation weiter verschlechtert.

Nicht zu vernachlässigen ist auch, dass für viele indigene Gruppen Wasser eine besondere religiöse und kulturelle Bedeutung hat.

Die “Indigenous Declaration on Water”, die im Rahmen des 3.Weltwasser-Forums in Kyoto vom März 2003 von indigenen Völkern aus der ganzen Welt lanciert wurde, fordert denn auch, dass indigene Gemeinschaften ihr Recht auf Selbstbestimmung bezüglich Wasser auf allen Ebenen ausüben können, und somit die Verwaltung, den Gebrauch, die Regulierung, die Konservierung und die Erneuerung ihrer Wasserressourcen im Einklang ihres speziellen Verständnisses von Wasser als heiliger Ressource, die nicht besitzt werden darf (vgl. Artikel über Privatisierung im Wassersektor), gestalten können.

(link zur Wasser-Deklaration der Indigenen Völker vom März 2003: www.indigenouswater.org/IndigenousDeclarationWater.html

infoe-Magazin Nr. 18: Indigene und Wasser

Im Sommersemester 2003 führte Esther Leemann, Assistentin am Ethnologischen Seminar der Universität Zürich, in Zusammenarbeit mit infoe CH ein Proseminar mit dem Titel “Indigene und Wasser” durch.

Anlass der Veranstaltung war, dass die UNO das Jahr 2003 zum Internationalen Jahr des Süsswassers erklärt hat.

Während diesem Semester beschäftigten sich Studierende mit den vielfältigen Problemen rund ums Wasser und mit der Frage, wie marginalisierte und besonders indigene Bevölkerungsgruppen von diesen Problemen betroffen sind und wie sie darauf reagieren. Die daraus entstehenden Seminararbeiten sollen im Herbst in verkürzter Form in einem infoe-Magazin publiziert werden.

Folgende Themen werden bearbeitet:

Bergbau und Wasserverschmutzung

Staudämme und Umsiedlung

Traditionelle Wasserrechte

Versalzung des Aralsees

Wassernomaden

Privatisierung der Trinkwasserversorgung

Krankheiten durch verschmutztes Wasser

Literaturtips:

Boelens, Rutgerd. 2002. Local Rights and legal recognition: the struggle for indigenous water rights and the cultural politics of participation. Wageningen University, The Netherlands.
http://www.indigenouswater.org

Gleick, Peter H. 1998. The World’s Water 1998 – 1999: The Biennial Report on Freshwater Resources. Washington: Island Press.

Gleick, Peter H. 2000. The World’s Water 2000 – 2001: The Biennal Report on Freshwater Resources. Washington: Island Press

Helvetas 2000. Wasser. Süd-Magazin 10/2000. Langenthal: Merkur Druck.

Hoffmann, Thomas (Hg.). 1997. Wasser in Asien. Elementare Konflikte. Asienhaus Essen. Osnabrück: secolo Verlag.

Shiva, Vandana. 2002. Der Kampf um das blaue Gold. Ursachen und Folgen der Wasserverknappung. Zürich: Rotpunktverlag.

Barlow, Maude und Tony Clark. 2003. “Blaues Gold. Das globale Geschäft mit dem Wasser. München: Antje Kunstmann Verlag.

LINKS

Allgemeine:
http://www.h2o-scanner.com (Weltweite Wasser-Suchmaschine mit u.a. thematischen + regionalen Filtern)
http://menschen-recht-wasser.de
http://www.cipsi.org
http://www.helvetas.ch/deutsch/schwerpunkt/wasser/welcome.html
http://evb.ch
http://www.world.water-forum3.com/ (offizielle Homepage des 3. Welt-Wasser-Forums, abgehalten vom 16. Bis 23. März 2003 in Kyoto, Japan)
http://www.worldwatercouncil.org (Internationaler Think-Tank über Wasser)
http://www.irn.org (International Rivers Network)
http://www.citizen.org
http://thirdworldtraveler.com/Water/Water_page.html
http://www.polarisinstitute.org/
http://www.ircl.nl (vor allem auch Infos zu Lateinamerika)
http://www.globwinet.org (Vor allem Reports, Dokumente, Abkommen, Internationel Organisationen bzw.

Working Groups zur Wasserproblematik
http://unesco.org/water/wwap (Die UNO und das Wasser)
http://www.gwpforum.org/servlet/PSP (Offizielle Homepage der Global Water Partnership. Vor allem Informationen über Konferenzen, Dokumente etc.)
http://www.dams.org (International World Commission on Dams: alles über und um Staudämme)
http://www.worldbank.org/watsan (Aktionen der Welbank rund ums Wasser)

Indigene und Wasser:
http://www.indigenouswater.org
http://www.gfbv.de/dokus/dossiers/wasser/wasserind.htm (leider Stand Dezember 2001)

Links mit Schweiz-Bezug:
http://www.eawag.ch/
http://www.wasser2003.ch (Gemeinsames Portal des schweizerischen Aktionsprogramms der Bundesämter BWG, BUWAL und DEZA)

Wasser-News:
http://www.waterobservatory.org (Water News)
http://water.org/why/headlines.htm ( “Presseschau” mit links zu aktuellen Beiträgen / Zeitungsartikeln / Statements zu Wasser
http://www.iucn.org/themes/wetlands/projects.html (Kurzbeschreibung der Projekte der IUCN (World Conservation Union) in aller Welt

Privatisierung von Wasser:
http://www.psiru.org (Berichte und Daten rund um die Privatisierung von Wasser)
http://www.org/print_release.cfm?ID=1297 (Artikel: Privatization: Making matters worse)

Feuchtgebiete:
http://www.100topwetlandsites.com/top/wetland (Links zu diversen Seiten über Wetlands/Feuchtgebiete)
http://www.ramsar.org (Informative Seite der “Ramsar”-Konvention zu Feuchtgebieten)