Institut für Ökologie und Aktions-Ethnologie
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Buch: Fossile Ressourcen, Erdölkonzerne und indigene Völker

infoe-Studie 12: Fossile Ressourcen, Erdölkonzerne und indigene Völker: Tobias Haller, Annja Blöchlinger, Markus John, Esther Marthaler, Sabine Ziegler. Focus Verlag, 2000, 687 Seiten, Broschiert, 35,79 EUR

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Inhalt:

Leckgeschlagene Tanker, verseuchte Küstenabschnitte, ölverklebte Seevögel: Solche Katastrophenbilder sind fast schon alltäglich. Selten aber gerät in den Blick, wo diese Umweltdesaster ihren Ausgang nehmen. Erdölförderung steht am Anfang der Kette, an deren Ende Klimabeeinträchtigungen durch die Emissionen von fossilen Energieträgern stehen. Automobil- und Flugverkehr, Heizungen und die Verbrennung petrochemischen Verpackungsmaterials gelten als die Hauptverursacher der globalen Erwärmung der Erdatmosphäre und des Klimawandels und stehen in der gegenwärtigen Umweltdiskussion im Vordergrund. Die Frage, woher das Erdöl und das Erdgas kommen, geht dabei genauso unter wie die Umweltgefährdungen, die die Förderung mit sich bringt, und die Menschenrechtsverletzungen, die sie begleiten.

Für indigene Völker, ihre Unterstützerorganisationen und Umweltverbände ist das Thema jedoch nicht neu. Die ölverseuchten Regenwälder in Ecuador, die Zerstörung des Nigerdeltas und die Verseuchung von Tundra und Taiga in Westsibirien sind seit langem bekannt. Die Weltöffentlichkeit nahm aber erst mit dem Widerstand der Ogoni und der Ermordung Ken Saro Wiwas durch die nigerianische Regierung Anteil an den Problemen, die Erdölkonzerne bei indigenen Völkern verursachen. Diese „Kosten“ des Erdölgeschäfts werden auf die lokalen Bevölkerungsgruppen abgewälzt, die sie häufig mit ihrer Gesundheit oder mit ihrem Leben bezahlen müssen. Damit wird deutlich, was Ökonomen verharmlosend als „Externalisierung“ bezeichnen.

Wie reagieren die indigenen Völker auf die Zerstörung ihrer Umwelt und welches sind die Strategien der Konzerne im Umgang mit ihnen? Diesen Fragen gehen die Autoren und Autorinnen der Studie anhand von Fallbeispielen nach, die von Alaska über Südamerika, Afrika und Ozeanien bis nach Westsibirien reichen. Das Werk zeigt, dass der Widerstand und die Mobilisierung der Indigenen nicht nur dort anzutreffen sind, wo die Schäden bereits gross sind. Ebenso wird deutlich, dass bei indigenen Gruppen immer wieder Konflikte entstehen, wenn sie geeint gegen die Konzerne antreten sollen (Problem des kollektiven Widerstands). Die Konzerne ihrerseits verfolgen oftmals eine Strategie der Spaltung und des Abspeisens mit kleinen „Geschenken“. Gegenüber der Öffentlichkeit in den Industriegesellschaften hingegen bemüht man sich um ein positives Image. Dazu zählt unter anderem, dass eine Dialogbereitschaft mit der einheimischen Bevölkerung betont und eine angebliche Sauberkeit der Erdölförderung hervorgehoben wird.

Rezensionsnotiz der Neuen Zürcher Zeitung, auf perlentaucher.de Haller, Tobias: Fossile Ressourcen, Erdölkonzerne und indigene Völker.